Nachlese
zur 55. Jahrestagung
der Internationalen Walfangkommission (IWC)

Vom 16. bis 19. Juni 2003 trafen sich Vertreter
aus 46 Ländern zur alljährlichen internationalen
Walfangkonferenz ( IWC ) in Berlin.

Einige Beschlüsse, die dort getroffen wurden,
lassen hoffen, dass sich die Situation für die Waltiere
irgendwann vielleicht ein wenig verbessern könnte.
Aber auch von unschönen, leider erwarteten
Reaktionen einiger Länder muss berichtet werden.

Hier eine
Zusammenfassung:
Die Berliner Initiative
Dieser Name bezeichnet die wichtigste Relosution der Konferenz,
die es ermöglicht, die IWC von einer Walfangorganisation zu einer
Walschutzorganisation umzubauen. Mit 25 zu 20 Stimmen und einer Enthaltung
wurde dieser Vorschlag angenommen. Mexiko hatte ihn mit der Unterstützung
vieler Länder eingebracht. Damit ist der umfassende Schutz der Wale, nicht nur
vor der Jagd, als ein Kernanliegen der IWC angenommen worden.

Zur praktischen Umsetzung der Berliner Initiative richtet die IWC ein dauerhaftes
Schutzkomitee ein, das sich mit den Umweltgefahren jenseits der Jagd befasst.
Japan, Norwegen und Island lehnen ihre Mitarbeit in diesem Komitee ab.
Japans Drohungen als Reaktion auf die Berliner Initiative reichen vom Stopp der
Beitragszahlungen über den Austritt aus der IWC bis zur Gründung einer Kon-
kurrenz-Organisation. Eine entsprechende Erklärung wurde von 16 Pro-Walfang-
Ländern unterzeichnet, deren Unterstützung sich Japan wieder einmal mit Geld
erkauft hat.
Schutzgebiete
Auch in diesem Jahr legten Neuseeland und Australien wiedereinen Antrag auf ein
Walschutzgebiet im Südpazifik vor. Dort würde Walfang auch dann verboten bleiben,
wenn die IWC das Moratorium einmal aufheben sollte. Wie in der Vergangenheit gab es für
den Antrag nur eine einfache Mehrheit, nicht aber die nötige Dreiviertelmehrheit. Ein großer Teil
des fraglichen Gebietes ist aber inzwischen durch die nationale Gesetzgebung der einzelnen
Südpazifik-Staaten unter Schutz gestellt.
Zum dritten Mal wurde auch ein Schutzgebiet im Südatlantik beantragt. Auch hier gab es leider
nur eine einfache Mehrheit, die nicht zur Durchsetzung ausreicht.

Japan stellte den Antrag, dass in einem Walschutzgebiet der Schutz der Wale nur dann
gelten solle, wenn das Wissenschaftliche Komitee der IWC ausdrücklich sagt, dass er
notwendig ist. Der Antrag wurde eindeutig abgelehnt.
»Wissenschaftlicher« Walfang
Deutschland initiierte eine Resolution, die so scharf wie nie zuvor Japans «wissen-
schaftliche« Walfang verurteilt, mit dem das Moratorium der IWC ausgetrickst wird:
Erstmals fordert eine IWC-Resolution Japan direkt zum Stopp dieser Jagden auf. Außerdem
wird Island aufgefordert, seine Pläne für den Start eines »wissenschaftlichen« Fangs von Finn-,
Sei- und Minkwalen fallen zu lassen. Der Antrag wurde angenommen.
Japans Fanganträge
Trotz des Moratoriums hatte Japan 15 Jahre lang (vergeblich) eine Quote von
jährlich 50 Minkwalen gefordert, um die angebliche Not in vier Küstengemeinden
zu lindern. Dieses Jahr schraubte Japan die Forderung auf 150 Tiere pro Jahr hoch.
Das erregte Empörung, da die vier Gemeinden Wale aus dem »wissenschaftlichen« Fang
verwerten durften und ohnehin Jagd auf Schnabelwale machen, deren Fang bislang nicht
von der IWC reguliert wird. Japans Antrag fiel durch. Sogar Südkorea, sonst ein Walfang-
Verbündeter Japans, stimmte dagegen.
Ein ähnlicher Antrag Japans verlangte eine jährliche Quote von
150 Brydewalen. Auch dieser Antrag wurde nicht angenommen.
Brydewale und Minkwale werden bereits im japanischen
»Forschungsfang« erbeutet, ebenso wie Pottwale und Seiwale.
Beifang-Resolution
Italien brachte einen Resolutionsentwurf
zum Thema Beifang auf den Tisch, der von
vielen Ländern unterstützt wurde.
Jährlich werden bis zu 300.000 Wale und Delphine
Beifangopfer. Aber am letzten Tag der Konferenz
wurde der Entwurf zurückgezogen.
Walfang durch Indigene
Die Walfang-Lobby wollte in Berlin eine neue Hintertür bei der Waljagd
durch Indigene zum kommerziellen Handel öffnen: Russland versuchte eine
Erlaubnis zu bekommen, Organe, Drüsen und andere Teile von Grauwalen aus dem
Walfang durch sibirische Ureinwohner in den Handel zu bringen.

Fotos in Berlin zeigten, dass in einem neuseeländischen Flughafen-Shop beschnitzte
Walknochen illegal angeboten wurden, woran bestimmte Maori-Gruppen, Interesse
haben.

Besorgnis wurde über die Weißwaljagd in Westgrönland geäußert, weil der Bestand
der Tiere stark gefährdet ist. Grönland will der IWC aber keine Informationen geben,
weil es sich um Kleinwale handelt, für welche die IWC nicht zuständig sei. Zu den 32
Schwertwalen, die Grönland im Jahre 2002 erlegt hat, äußerte sich das Mutterland
Dänemark gar nicht, da dies nicht in den Kompetenzbereich der IWC falle.

In Ostkanada haben Inuit im Sommer 2002 wieder einen Grönlandwal aus einem
extrem gefährdeten Bestand getötet. Kanada ist 1982 aus der IWC ausgetreten !
Whale Watching
Als Alternative zum Walfang wird das touristische Beobachten der Tiere
diskutiert. Als das Thema in Berlin behandelt wurde, verließen viele Japaner
und Norweger den Saal. Nur ein Norweger blieb, um die alte Meinung zu äußern, dass
Whale Watching nicht in die Kompetenz der IWC falle.
Ganz anders sieht das die soeben angenommene Berliner Initiative. In Kapstadt, Südafrika,
wird 2004 ein spezielles Treffen zur Regelung von Whale-Watching-Fragen stattfinden.
Schon im nächsten Jahr ist in Italien die 56. Konferenz der
IWC. Dort wird sich zeigen, welche Taten aus den Worten gefolgt sind. Und wenn man sieht, mit welchen Tricks und doppeltem Boden manche Länder zu Werke gehen, dürfen
wir in der Zwischenzeit nicht aufhören, die Welle zu machen – ganz laut, damit jeder Verantwortliche hört, dass Ihr, liebe Kids, gehörig etwas dagegen habt, was man bisher den Waltieren angetan hat!

Die Verbraucherschutz-Ministerin Frau Künast war die Schirm-herrin der diesjährigen IWC- Konferenz in Berlin. Sie hat gezeigt, dass neue Ideen möglich und durchsetzbar sind.

Ihr könnt der Ministerin auch weiterhin auf die Sprünge helfen und ihr Eure Ideen und Forderungen mitteilen.
Weil sie selbst gerne auf Whale Watching Tour geht, wäre es doch eine gute Idee, wenn Ihr Frau Künast von Euren Erlebissen, Gedanken und Ideen erzählt. Und dann ab die Post an:

Bundesministerium für Verbraucherschutz,
Frau Renate Künast
Wilhelmstraße 54
10117 Berlin
Nachtrag 2007:

Leider ist Frau Künast nicht mehr unsere Verbraucher-
schutzministerin. Horst Seehofer heißt der derzeitige
Bundesminister. Das Bundesministerium tritt zwar noch
immer für den Walschutz ein, aber leider findet man auf
der Homepage nicht mehr so viele Informationen darüber
wie damals, als die Frau Künast noch Ministerin war.

Deshalb ist es jetzt doppelt so wichtig, dass ihr Kinder
dem Herrn Seehofer mal ordentlich klarmacht, wie
wichtig Euch das Thema ist! Irgendwie hat er das nämlich
noch nicht so ganz kapiert, das er auch EUCH vertreten
muss.


Hier also noch mal die neue Adresse:

Bundesministerium für Verbraucherschutz
Herr Horst Seehofer
Wilhelmstraße 54
10117 Berlin
Auch Greenpeace hat extra anlässlich der
Walfang-Konferenz in Berlin eine Homepage
für Kinder
angelegt. Dort findet Ihr weitere
Informationen und viele tolle Ideen und
Vorschläge, wie man die Welle machen kann!
Eltern können
sich hier
informieren
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