4. Juli 2003: Orca Alarm!
Am 4. Juli 2003 sitze ich gemütlich um 07:15 Uhr beim Frühstück in der Pousada Atlantis. Am Tisch sitzen
Barbara und Helmut Corneli von Europas größter Tauchsportzeitschrift »Tauchen«, sowie Thomas Schmidt,
Naturfotograf aus Paris. Normalerweise klingelt gegen 07:30 Uhr das Telefon und wir bekommen die ersten
Sichtungsberichte von unserem Vigia, Senhor Anteiro. Heute klingelte es aber schon früher und es waren
auch nur zwei Worte von Sen. Anteiro zu hören:
»Orcas – rapido ...!«
Brötchen fielen aus den Händen, der Kaffee wurde kalt. Per Handy alarmierte ich unseren Skipper Fernando
mit der Anweisung, in 5 Minuten auslaufen zu wollen. Da unsere Boote stets am Vortag für den nächsten
Tag vorbereitet werden, war dies möglich, und um 07:35 Uhr verließen wir den Hafen in Madalena.
Die Orcas bewegten sich schnell von Faial kommend
an der Südküste. Nach 20 Minuten Fahrt unter Funkan-
weisung von Sen. Anteiro erreichten wir die Orcas im
Kanalausgang zwischen Faial und Pico. Die Situation
war optimal, da die See spiegelglatt war.
Ich glaubte meinen Augen kaum zu trauen. In diesen
Gewässern gehören Orcas nicht zu den häufig anzu-
treffenden Spezies, und wenn, dann sind es mal Einzel-
tiere die vorbeiziehen. Heute aber war es ein ganzer
Orca Pod, eine Familie mit 17 Tieren !
Dabei ein markantes Männchen mit der ausgeprägten
Rückenflosse, die den auch »Schwertwal« genannten
Tieren ihren Namen zu verdanken haben. Auch haben
wir drei Jungtiere gesehen und viele Halbwüchsige.
Wir waren das erste Boot und konnten Dank des Orca
Alarms von Sen. Anteiro weit mehr als eine Stunde mit
den Tieren völlig alleine verbringen.
Orcas vor dem Mount Pico, @ Thomas Schmidt
Nun stellte sich das Problem, dass gegen 09:00 Uhr eine Ausfahrt mit gebuchten Gästen geplant war. Und da
wir dieses Highlight ja niemanden vorenthalten wollten, verständigten wir unser Landteam und organisierten
den Transfer an Land zu dem unserer Position am nächsten gelegenen Hafen. Gegen 09:30 traf die Gruppe
ein und auf diese Weise konnten wir es unseren Gästen ermöglichen, diese exquisite und außergewöhnliche
Situation mit uns zu erleben. Natürlich blieb unser Journalistenteam an Bord und hatte so die Möglichkeit,
weitere tolle Aufnahmen zu machen. An diesem Tag verbrachten wir mehr als 3 Stunden mit der Orca Familie,
die sich dann aber aufmachte in die weite See.
Es gehört schon zu den außergewöhnlichen Erlebnis-
sen, an einem so perfekten Tag eine derart schöne
Begegnung genießen zu dürfen. Ich hege darin die
Hoffnung, dass es draußen, in den Weiten der Ozeane,
doch noch einige Waltiere gibt, die es immer wieder
schaffen, der Bejagung und den Katastrophen zu ent-
gehen. Doch heute, da ich diesen kleinen Bericht
schreibe, laufen vor der galizischen Küsten hunderttau-
sende Liter von giftigem Rohöl in den Atlantik. Ich hoffe
nur, dass es diese gesunde Orca Familie nicht erwischt.

Ein weiterer Höhepunkt begegnete uns auf dem Rück-
weg. Fernando erspähte die Rückenflosse eines Mond-
fisches. Das fast 3 m große Exemplar bliebt lange am
Boot und war gar nicht scheu. Dies ganz zum Ärger von
Helmut Corneli, der keine Unterwasserkamera an Bord
hatte – doch es sollte auch ihm noch gelingen, am letzten
Tag seines Aufenthaltes einem Mondfisch unter Wasser
zu begegnen!
Bericht: Frank Wirth
Orca, @ Thomas Schmidt
| © 2000 - 2008 | Impressum | Sitemap | | Credits