Der Treffpunkt für die Riesen der Meere

über den Saisonauftakt 2003, von Frank Wirth
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Schon seit 15 Jahren bin ich den Walen auf
der Spur und habe schon so manches atem-
beraubende im Meer erlebt und gesehen.
Aber die letzten Wochen haben auch mich alten
Seebären immer wieder ins Staunen versetzt.
Wie ja bereits in einer kleinen Meldung in
unserem Gästebuch erwähnt, haben wir dies-
jährig erstmals die Basis schon am 15. April
geöffnet. In den ersten 14 Tagen gab es viel
Wind und Regenschauer, doch seit der ersten
Maiwoche ist das Wetter bis auf wenige Tage
stabil. So hatten wir Gelegenheit, in den ersten
vier Wochen gut 25 Exkursionen auf See zu
machen.
Treuer Helfer bei unseren Ausfahrten war wie
stets unser Vigia,
Sen. Anteiro Suares, der uns
von seinem Aussichtsturm von Sao Mattheus
aus leitet.
Während der ersten Ausfahrten im April hatten wir schon einige Pottwale, Delphinarten und ein paar Bartenwale gesehen.
So richtig los ging es aber am 6. Mai, als morgens um 7:05 Uhr (wir kennen das ja seit dem »Orca Alarm«) das Telefon klingelte
und Anteiro einen
Buckelwal, dicht an der Küste vor Sao Matheus meldete. Wie immer in solch einer Situation waren binnen fünf
Minuten die Gäste geweckt und Cesar, der Skipper unseres Bootes „»Odin«, wurde zum Hafen beordert.
Um 07:30 Uhr legten wir im Hafen von Madalena ab. Bei leichter See waren wir um 8:00 Uhr vor Ponta Espatelm, wo der erste
Funkspruch des Vigias eintraf. Anteiro hatte mittlerweile den Vigia Turm verlassen und war dem Buckelwal zu Fuss entlang der
Küste gefolgt. Von den 15 m hohen Klippen konnte er das Tier gut verfolgen. Als wir den Funkspruch aufnahmen, leitete der Vigia
uns direkt an die Küste nahe des Ortes Guindaste. Von weitem erkannten wir den hohen, buschigen Blas des Buckelwals, der nur
20 Meter vom Ufer entfernt war.
Das Tier tauchte für rund 2 Minuten. Wir hatten den Motor abgestellt und nur
15 Meter vor unserem Boot durchbrach der gewaltige Kopf des Tieres die
Oberfläche des glatten Wassers. Aus den Blaslöchern schoss die Fontäne
fast 5 Meter hoch in die Luft. Der Wind trieb die feinen Tröfpchen des Blas
über unser Boot. In so einem Moment Luft zu holen kann ich nur jedem
abraten, denn der Gebrauch von Mundwasser gehört nicht zur Morgen-
kosmetik eines Bartenwals. Der Wal ließ sich durch uns nicht stören und
zog langsam am Boot vorbei. Nach dreimaligem Luftholen tauchte er wieder
hinab und zeigte uns seine schön geformte Fluke. Wirklich ein einmaliges
Erlebnis im Leben eines Whale Watchers. Wir folgten dem Tier gut eine
Stunde, bis es rund 4 Meilen von der Küste entfernt war.

Buchelwalfluke, Foto © Sven Dehtweg


Danach ging es weiter zu den Pottwalen, die in der Bucht von Sao Caetano unterwegs waren. Wie schon im Vorjahr halten sich auch
in diesem Jahr diverse sogenannte „»Nursery Groups« in unseren Gewässern auf. Das sind meist Familienverbände, die aus Mutter-
tieren, Jungtieren und Neugeborenen bestehen. Auch in den letzten Wochen haben wir immer wieder Gruppen mit teilweise ganz
jungen Neugeborenen gesehen. Das sind gute Neuigkeiten, denn es ist ja bisher nicht klar, wie viele Pottwale es noch im Atlantik gibt.
Seit Beendigung des Walfangs in den 80er Jahren erholen sich anscheinend die Bestände der Pottwale. Das ist ein großes Glück,
sind doch andere Arten, wie der
Nordkaper, fast ausgerottet. Früher war auch diese Art in den Gewässern um Pico zu sehen. Doch als
den Walfängern bekannt wurde, dass diese Art in der Biscaya die Reproduktionsgründe hatte, war es schnell um die Bestände des
Right Whales (der Name wurde der Art von den Walfängern gegeben, da er leicht zu jagen, freundlich zu den Booten und daher leicht
zu ernten (!) war) geschehen. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich in diesem Jahr bereits in der elften Saison Touren zu den
südlichen
Glattwalen in der Peninsula Valdes organisiere. Es sind noch einige wenige Plätze frei. Weitere Informationen finden Sie hier.

Doch zurück zu den Walen von Pico: Nach dem grossen Buckelwalerlebnis war nicht ensthaft an eine Steigerung zu denken, doch
schon am komenden Morgen schmiss uns der Vigia schon vor 7.00 Uhr aus den Betten und meldete
»BLAUWALE« ! Blauwale
sind die größten Lebewesen, die jemals unseren Planeten besiedelt haben. Selbst der größte Saurier, der
Argentinosaurus, war
nicht so groß und schwer wie ein Blauwal. Der Blauwal wird bis zu 33 m lang und 200 t schwer. Nehmen Sie mal ein Kabel und
wickeln Sie 33 m ab – dann wissen Sie, wie lang 33 Meter sind !

Also ging es wieder an Bord der Odin und vor Sao Joao konnten wir eine Blauwalmutter mit Ihrem knapp 20 m langen Jungtier
bewundern. Diese
Bartenwale ernähren sich hauptsächlich von Krill, Plankton und kleinen Fischen. Das passte, den das Wasser
war seit Tagen grün und voller Kalmarlarven, Salpen und Quallen. Diese Suppe hatte also die Bartenwale angelockt.

Kaum eine Stunde später kam die Meldung eines
Minkwals ! Minkwale sind die kleinsten der Bartenwale und werden auch
Zwergwal genannt. Eigentlich ist er von Form und Verhalten nur schwer von Sei- oder Finwalen zu unterscheiden. Doch in diesem
Fall war es klar, denn dieses Tier produzierte keinen Blas. Und das ist ein eindeutiges Erkennungszeichen. Obwohl diese Art noch
recht häufig ist (deshalb wird ihnen auch heute noch von Norwegern und Japanern im Walfang nachgestellt), kommt diese Art bei
uns nicht sehr häufig vor. Umso schöner, diese Sichtung in unserer Statistik verzeichnen zu können.

Diese Meldung war jedoch erst der Anfang eines gewaltigen Treffens der Bartenwale (tägliche Meldungen von Buckel-, Fin-,
Blau- und Seiwalen waren seit drei Wochen völlig normal geworden. Das gewaltigste Erlebnis war für mich eine Ausfahrt am
18. Mai. An diesem Tag waren wir mit einem Buckelwal beschäftigt, der gar nicht aufhören wollte, uns seine wunderschön gefärbte
weiße Fluke zu zeigen. Nur 300 m rechts von uns waren dazu zwei riesige Blauwale unterwegs, deren Blas wir eindeutig erkennen
konnten, bevor sich die gewaltigen Leiber aus dem Meer schraubten. Weitere 400 Meter rechts von uns war ein befreundetes Boot
mit vier Seiwalen beschäftigt.
Auf einem Quadratkilometer also drei verschiedene Bartenwalarten – nicht zu vergessen in diesem ganzen Szenario die Delphine!
Besonders häufig konnten wir die sonst eher seltenen
Streifendelphine sehen. Diese Art versetzt uns immer in Freude, denn der
Streifendelphin ist der Weltmeister aller Tiere im Hochsprung. Bis zu 7 m hoch schafft er es, und dies stellten diese Vagabunden
der Meere mehr als deutlich vor unserem Boot zur Schau.

An einem anderen Tag war ich mit der Schweizer Familie von Antonio Siragussa an der südlichen Pico-Faial-Kanalmündung mit
einem Buckelwal unterwegs. Da der Himmel am Morgen grau war, hatte ich meine Kameraausrüstung zu Hause gelassen. Dies
sollte ich bereuen:
Dieser Buckelwal tat genau das, was Buckelwale gerne machen – springen ! Und das nur 20 Meter vor dem Boot ! Niemand hatte
damit gerechnet, als er abtauchte und uns freundlich mit seiner Fluke gewinkt hatte – und dann kam dieser gewaltige Sprung.
Nachdem er wieder auftauchte, legte er sich auf die Seite und begann, mit seinen schneeweissen Seitenflippern zu schlagen.
Immer und und immer wieder. Dabei rollte er sich im Wasser, beäugte uns, und deutlich war zu erkennen, warum er zu den
Furchenwalen zählt. An der Unterseite tragen die Bartenwale ausgeprägte Furchen, die wie ein Faltenbalg arbeiten. Reisst der Wal
das Maul auf, um es mit Wasser zu füllen, breitet sich der Faltenbalg aus. So können Unmengen an Wasser und somit an Futter
in das Maul des Wals gelangen. Danach wird das Wasser seitlich aus dem Mund, also durch den Bartenvorhang gepresst, in dem
die kleinen Lebewesen hängen bleiben. Was im Maul verbleibt wird geschluckt.

Für mich, obwohl voller Wut, da ohne Kamera, ein wunderbares Erlebnis,
welches ich mit drei Kindern geniessen durfte – ein Erlebnis, was sich für
immer in die Köpfe dieser Kinder einbrennen wird. Vielleicht ein Erlebnis,
was auch diese drei beinflussen und motivieren wird, die Meere und das
Leben der Tiere darin zu schützen.

In diesem Sinne möchte ich auf unsere
Familienprogramme hinweisen,
die mittlerweile so erfolgreich verlaufen..

Wir freuen uns besonders auf Euch, liebe Kids, und hoffen auf weitere
Erlebnisse mit Euch im Reich der Wale und Delphine von Pico.

Euer, Ihr

Frank Wirth


Familie Siragussa auf dem Weg zu den Buckelwalen,
im Hintergrund: Frank Wirth und Skipper Cesar
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