Mai 2005: Schwamm drüber ...
Kulturelles Verhalten von Mutter an Tochter weitergegeben
Quelle: Pressetext Deutschland
Ein Wissenschaftsteam der Universität Zürich hat gemeinsam
mit Forschern der University New South Wales in Sydney
entdeckt, dass Delfine sehr gezielt Werkzeuge zur Futtersuche
verwenden. Interessant dabei ist aber die Tatsache, dass fast
ausschließlich Weibchen diese Fähigkeiten haben, die offen-
sichtlich erst vor relativ kurzer Zeit von einem bestimmten Weib-
chen »entdeckt« worden sind. Die Studienergebnisse erschei-
nen in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins
Proceedings of the National Academy of Science (PNAS).
Foto @ Amanda Coakes
Quelle: Pressetext Deutschland
Michael Krützen vom Anthropologischen Institut der Universität Zürich hat wildlebende Delfine in der Shark Bay in
Westaustralien untersucht und festgestellt, dass die Tümmler beinahe ein Dutzend verschiedene Varianten für die
Futtersuche benutzen. Einige Tiere verwenden dazu Werkzeuge: Sie lösen Schwämme vom Meeresboden ab, stülpen
diese über ihre Schnauze, um diese bei der Nahrungssuche am Boden zu schützen. »Von der Gesamtpopulation von
rund 3.000 Delfinen in der Shark Bay sind nur etwa 30 so genannte Spongers«, so Krützen. Unklar war den Forschern
bisher, weshalb nur einige Delfine diese Methode anwenden und warum fast ausschließlich weibliche Tiere Werk-
zeuge benutzen.

Um genetische Ein-
flüsse zu untersuchen,
haben die Forscher
die DNA der Großen Tümmlern untersucht:
Darunter waren 13 Schwamm benutzende
Tiere, eines davon ein
Männchen, und 172 Delfine, die keine
Schwämme benutzen.
Die Analyse ergab,
dass der Gebrauch von
Schwämmen anschei-
nend in direkter Linie
von der Mutter auf die
Tochter weiter gegeben
wird. Die Schwamm-
benutzer zeigten zu-
dem eine signifikante genetische Verwandtschaft. »Wir nehmen deshalb an, dass das Fischen mit Schwämmen von
einer weiblichen Vorfahrin vor relativ kurzer Zeit erfunden worden ist«, erklärt der Experte.

Aufgrund der Forschungsresultate schließen die Forscher aus, dass die Futtersuche mit Schwämmen genetisch oder
durch den Lebensraum bedingt ist. »Dieses spezielle Verhalten wird kulturell weiter gegeben. Es ist das erste Beispiel
für eine materielle Kultur bei Meeressäugern«, meint Krützen.
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